Sehen, Hinschauen und Verstehen – Christa Donatius und Michael Jalowczarz
Das könnte das Thema der Ausstellung sein, die die Malerin Christa Donatius gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Bildhauer Michael Jalowczarz im hit-Technopark zeigt.
Beide Künstler bewegen sich dabei in ihrem Bereich mit der ihnen eigenen selbstbewussten Sicht auf die alltäglichen Gegebenheiten und die Vorgaben der Natur: Beides erschließt sich dem Betrachter unmittelbar. In den Bildern von Christa Donatius durch die Beschäftigung mit Themen in unserer Gesellschaft, die den „täglichen Wahnsinn“ bildhaft dokumentieren und im Titel einer ganzen Werkreihe UN LAND einen Gipfelpunkt erreichen. Diese Bilder halten uns den Spiegel vor und hinterfragen eine scheinbar heile Welt, in der Deformation und Entfremdung reale Bezüge haben. In ihrem großformatigen Bild „Treff-Punkt“ wird diese Entfremdung durch zwei voneinander abgewandte Rockergruppen symbolisiert, die gemeinsam wie in einem Kokon von der Außenwelt abgeschottet in einer geschlossenen „community“ agieren.
Die Werkreihe UN LAND zeigt zu einem großen Teil Menschen, die aus dem Umfeld der Künstlerin stammen und die jeder für sich Teil einer Gemeinschaft sind. Individualität und die Integrität von Personen werden so zum positiven Gegenpol einer teilweise entmenschlichten Wirklichkeit.
Reduktion in der Farbwahl und die Kombination mit den Klang-Kompositionen von Alexander Mottok sind offensichtliche Kennzeichen des Bild-Klang-Projektes NICHT SEHEN NICHT SPRECHEN NICHT HÖREN, bei dem das musikalische Element von Alexander Mottok eigenständig, vertiefend und wie ein harmonischer Kontrapunkt zu den Bildern eingebracht wird. Titel, wie „Noch Viel Platz für Meinungsfreiheit“ oder „Stumme Zeugen“ konkretisieren den Themenbereich um den es dabei geht.
Der Bildhauer Michael Jalowaczarz sieht sein Material Holz in seiner unmittelbaren Umgebung, dem Waldgut Daudieck. Die Materialfindung ist bei ihm kein geplanter Anschaffungsprozess, sondern eher eine spontane, zufällige Entdeckung, ein emotionales Hinfinden zu einem bestimmten Holz. Ein Holz, bei dem die äußere Erscheinung, die verborgene innere Form, die Struktur, die Originalität des Materials oder die dreidimensionale Qualität den Bildhauer Jalowczarz anspricht.
Die ästhetische Wahrnehmung des Materials führt im gleichen Augenblick zur künstlerischen Manifestation durch das „Lesen des Materials“, erklärt der Künstler. Dieses Urverständnis für den Werkstoff Holz, der Verzicht auf verkopfte Planung lässt Unikate entstehen, die dem individuellen, materialbezogenen Eigenschaften untrennbar verpflichtet sind.
Sein „Kleines Visionäres Kraftwerk“, das 2012 aus Weide, Leinen, Stahldraht, Papierbandrollen und Acrylfarbe entstand, weist auf das Ende der Alternativlosikeit hin und zeigt als Vision die Kraft des Einfachen in uns.